Wir l(i)eben Eishockey. Wir sind die Roten Teufel!

button-paypal

News-Ticker

 

WE ARE FAMILY – Leistungsförderung braucht eine stabile Basis

WE ARE FAMILY – Leistungsförderung braucht eine stabile Basis (Bild vergrößern)

Wenn aus Fans Familie wird

 

Im Eishockey werden oft früh die Weichen gestellt. Motivierte und selbstbewusste junge Spieler suchen Vereine, bei denen sie eine leistungsorientierte Förderung erwarten dürfen. Die Vereine auf der anderen Seite werben mit entsprechenden Angeboten in der sportlichen Ausbildung, verpflichten namhafte Trainer und schaffen Rahmenbedingungen, um ihrerseits talentierte Sportler zu rekrutieren. 
 

Nur, wie lässt es sich für Spieler realisieren bei den Roten Teufeln aufzulaufen, wenn der Wohnort 500 Kilometer weit weg liegt und man gerade einmal 15 Jahre alt ist? So wie bei Tamás, der aus der Region München kommt und sich auf die Fahnen geschrieben hat, seine Laufbahn als Goalie in der Kurstadt fortzusetzen, um seinem Traum einer Profikarriere entgegenzugehen? 


Für ältere Spieler besteht die Möglichkeit in einer Spieler-Wohngemeinschaft unterzukommen. Für Spieler unter 16 besteht aus Gründen der Aufsichtspflicht diese Option jedoch nicht.

 

„Die Möglichkeit, dass Tamás in einer Gastfamilie wohnen kann, die selbst Eishockey-Fans sind, war für uns ein entscheidender Punkt dem Entschluss unseres Sohnes zuzustimmen. Es gibt uns Sicherheit zu wissen, dass er in einem familiären Umfeld aufgenommen wird, auch wenn er von Zuhause weiter entfernt ist“, so die Eltern des jungen Torhüters Zoltán und Ilona Baricz.

 

Anika und ihr Mann Alexander Kleinhans aus Reichelsheim sind genau solche Gasteltern. Seit 2022 zählen auch sie sich zu den eingefleischten EC-Fans. „Das Finale der Playoffs in jener Saison gegen Ravensburg war unser absolutes Highlight für uns Neulinge“ schwärmt Anika noch heute. Auch bei ihrer Tochter Emma wurde damals die Leidenschaft fürs Eishockey als Fan entfacht, mehr noch als bei ihrer Schwester Lilly. Im Stadion aber trifft man sie alle, die Familie Kleinhans. Und weil das nicht genug ist, nehmen sie Spieler aus dem Nachwuchsbereich gerne bei sich auf.

 

Im EC NEWS-Interview sprechen Anika und Alexander über ihre Motivation und ihre bisherigen Erfahrungen:

 

Ihr nehmt schon zum zweiten Mal ein Gastkind aus dem Eishockey-Nachwuchs bei euch auf. Erinnert ihr euch, was genau eure Motivation war? Und wart ihr euch gleich alle einig oder gab es Diskussionen in der Familie?
Wir haben einen Aufruf bei Facebook gesehen und haben noch am selben Abend im Familienrat beschlossen uns näher zu informieren. Wenige Tage später gab es schon ein Treffen mit dem sportlichen Leiter der Nachwuchsabteilung Jens Mörschel. Wenn man Kinder unterstützen will, kann man irgendwohin Geld spenden und weiß dann nicht was wirklich damit passiert. Deshalb haben wir uns entschlossen ein Kind auf diese Art und Weise zu unterstützen auf seinem Weg. Das war unsere Motivation neben der Begeisterung für den Sport.

 

Was macht die Sportart Eishockey für euch aus? Spielt jemand aus eurer Familie selbst Eishockey?
Eine Wahnsinns Stimmung, die spürbare Leidenschaft, die Spannung bis zur letzten Sekunde, die rasante Geschwindigkeit, der Ehrgeiz und die krasse Teamarbeit der Jungs. In der Zeit im Stadion und in der Fankurve sind viele großartige Freundschaften entstanden. Für Emma spielt das Maskottchen Hellvis eine besondere Rolle und sie hat auch bei den Kidsdays schon auf dem Eis gestanden. Aber Eishockey an sich hat keiner von uns gespielt. Unsere Töchter Lilly und Emma fahren beide Kunstrad in Wölfersheim, wo wir sie ebenfalls immer begleiten.

 

Von eurem früheren Gastkind wissen wir, dass ihr wie eine zweite Familie für ihn wart. Worauf darf sich Tamas freuen? 
Tamás darf sich auf ein großartiges und aufregendes Jahr bei uns freuen. Außerdem auf eine kleine, lustige, liebevolle und manchmal auch chaotische Familie. Die ersten Wochen hat er quasi noch „Welpenschutz“, was zum Beispiel kleine Aufgaben im Haushalt angeht. Wir freuen uns, dass er hier bei uns ist und hoffen, dass wir ihm damit helfen seinem Wunsch einmal Profi werden zu wollen näher bringen können. 
Habt ihr darüber nachgedacht eine Pause zu machen oder stand schnell fest, einem anderen Sportler wieder eure Unterstützung zukommen zu lassen? Und wie finden es eure Töchter einen neuen „Bruder“ in der Familie zu haben? 
Da wir schon seit längerer Zeit mit dem Ausbau von unserem Haus und einer Scheune beschäftigt sind, war eigentlich für diese Saison aus zeitlichen Gründen eine Pause geplant. Als wir dann aber gefragt wurden, ob wir uns vorstellen können einen U17 Goalie bei uns aufzunehmen, haben wir uns doch im Familienrat dafür entschieden. Unsere Mädchen und Lennox verstanden sich vom ersten Tag an und auch bei Tamás war es nicht anders. Wirklich persönlich kennen gelernt haben wir ihn erst vier Tage vor dem eigentlichen Einzug.


Gibt es neben dem Eishockey auch andere Aktivitäten, die ihr gemeinsam als Familie unternehmt? Und habt ihr in eurer Familie so etwas wie „Rituale“, die ihr mit eurem Gastkind teilt? 
Wenn es die Zeit zulässt, unternehmen wir gerne was zusammen. TV-Abende, Spieleabende oder Ausflüge mit unserer Hündin Jara. Kurztrips zu Freunden wie beispielsweise an die Loreley sind auch dabei. Ansonsten helfen alle mit bei Arbeiten rund ums Haus, um es schön zu haben. Ein fester Bestandteil oder auch Ritual ist das gemeinsame Essen bei uns. Vor allem abends ist es uns sehr wichtig. Da findet der Austausch darüber statt, was jeder so tagsüber erlebt hat. Termine und Besorgungen werden abgestimmt. Und es ist Raum für Sorgen, die besprochen werden können. Auf jeden Fall wird die freie gemeinsame Zeit in aller Regel mit viel Spaß und Lachen verbracht.

 

Wie ist der Kontakt zu Tamás Familie?
Leider liegen 6 Stunden Autofahrt zwischen uns und seiner Familie. Die Möglichkeit mal eben hierher zu fahren ist nicht gegeben. Wir machen beim Training Videos und Bilder, damit seine Eltern einen Einblick haben und sehen, dass es ihm gut geht. Uns ist es wichtig mit ihnen in Verbindung zu sein. Von Lennox Eltern in der letzten Saison haben wir durch den engen Austausch sehr viel Unterstützung bekommen und hilfreiche Tipps für die Organisation. Für beide Seiten ist der Kontakt wichtig.

 

Welche Herausforderungen seht ihr in Bezug auf die neue Saison?
Herausfordernd ist, dass wir die Trainingszeiten aller drei Kinder unter einen Hut bringen müssen, aber das haben wir in der vergangen Saison auch immer gut hinbekommen. Nicht ganz so in die Karten spielt uns, dass die U17 in dieser Saison keine eigene Kabine hat und wir dadurch bei einem Goalie logistisch gefordert sind. Aber auch hierfür wird sich eine gute Lösung finden. Zu Auswärts-Spielen wird Tamás von Teamkameraden mitgenommen und bei weiteren Strecken fahren ohnehin alle im Mannschaftsbus.

 

Der Verein sucht immer wieder nach Gastfamilien. Für euch stand direkt fest, dass ihr wieder dabei sein werdet. Was würdet ihr anderen Familien, die noch überlegen, gerne mit auf den Weg geben?
Als Gasteltern sollte man offen sein für Neues. Für uns hat es sich definitiv gelohnt sich darauf einzulassen. Natürlich sollte man gut organisieren können und man lernt auch dazu, was alles zu beachten ist und was benötigt wird. Dafür stehen aber auch Betreuer und Eltern zur Seite, ohne die es nicht so einfach wäre. Für uns ist Tamás wie ein drittes Kind, so wie es auch bei unserem früheren Gastkind Lennox Kante war. Dessen positive Entwicklung hat uns gezeigt, dass wir alles richtig gemacht haben. Anders herum hat Lennox beispielsweise unsere Töchter bei den Schularbeiten unterstützt und hatte immer ein offenes Ohr für die beiden. 
Er hat gute Erfahrungen mitnehmen können und setzt seine Karriere in einem neuen Verein fort. Dafür hat sich das Jahr als Gasteltern gelohnt. Und das wünschen wir uns für Tamás so auch.